Bericht
über die Restaurierung der Philipp Furtwängler und Söhne - Orgel in der
Martinskirche in Markoldendorf.
Detailzeichnungen und Mensuren können
Sie persönlich bei Orgelbaumeister Harm Kirschner erfragen
Report
about restoration of the Philipp Furtwängler and Son
- organ in the Martins church in Markoldendorf.
You
can ask organ building master Harm Dieder Kirschner details about drawings and measurement
Inhalt: (contents):
1. Einführung (introduction)
2. Disposition (specification)
3. Zustand der Orgel vor Beginn der Arbeiten (codition of the organ before restoration)
4. Arbeiten am Gehäuse
(works on case)
5. Arbeiten am Windsystem (works
on the wind and bellow system)
6. Arbeiten
an den 5 Windladen (works
on the 5 windchests)
7. Arbeiten an
der Traktur (works
on the key action)
8. Arbeiten am Regierwerk (work on
the stop action)
9. Arbeiten
an den Pfeifen (work on the pipes)
10. Versuchsreihe mit dem Ton „C“ der Posaune
16´
(experiments with the Note „C1“ from the pedal posaune 16´)
11. Stimmung der Orgel (tuning
of the organ)
12. Mensurangaben (measurement)
13. Stimmungsdiagramme (diagrams
of tuning)
1. Einführung / introduction:
In Markoldendorf
finden wir ein vollständig erhaltenes Orgelwerk, das alle
Veränderungsbestrebungen in Bezug auf Klangvorstellungen und technischen
Errungenschaften unserer Zeit überlebt hat. Im Unterschied zu den meisten
anderen historischen Orgeln steht sie in einem Kirchraum, der mit der Orgel
gleichzeitig in Betrieb genommen wurde. So ist noch nahezu alles in einer
damals durch den Kirchenarchitekten Hase und den Orgelbauer Furtwängler
erdachten Situation. Die Restaurierungsarbeiten an dieser Orgel dauerten
ungefähr ein Jahr. Sie wurden durch die Orgelbauwerkstätten Haspelmath und
Kirschner im Rahmen einer Gemeinschaftsarbeit durchgeführt.
In Markoldendorf you can
find a complete original instrument which survived all different innovations of
technology and new understanding of sound in our time. Unlike to other organs,
1869 this instrument was build in a brand new church.
Because of this we still find the arrangement of architecture and organ like it
was created by the architect of churches “Hase” and
the organ builder “Furtwängler”. It took round about
one year to restore the organ. The organ builder Haspelmath
and master Kirschner carried out this work.
2. Disposition / specification:
I.
Manual: Bordun 16´
Principal 8´
Gamba 8´
Rohrflöte 8´
Quintatön 8´
Octav 4´
Gedectflöte 4´
Octav 2´
Mixtur 4 fach
Trompete 8´
II.
Manual: Geigenprincipal 8´
Flauto
traverse 8´
Salicional 8´
Lieblich Gedact 8´
Gemshorn 4´
Waldflöte 2´
Clarinette 8´
Pedal: Violon 16´
Subbaß 16´
Principal 8´
Bordun 8´
Octav 4´
Posaune 16´
Nebenzüge: Manualkoppel II/I
Pedalkoppel I/Ped
Kalkant
3. Zustand der Orgel vor Beginn der Arbeiten / codition of the organ
before restoration:
Vorgefunden wurde ein komplett erhaltenes
Instrument. Intonation, Funktion und Stimmung waren in einem schlechten
Zustand. Entgegen Aufzeichnungen aus Markoldendorfer Kirchenbüchern ist der Prospekt original
erhalten. Die letzte Mixturreihe hat Orgelbaumeister
Martin Haspelmath schon in einer vorhergehenden
Arbeit auf die Originale Zusammensetzung gebracht. Neben der 1 1/3’ Mixturreihe ist auch die Kalkantenglocke
und die Kerzenleuchter am Spieltisch verloren gegangen. Die Orgel wurde nur
noch aus einem Balg gespeist. Die Kastenbälge konnten sich nicht mehr frei
bewegen, da überall Schutt auf ihnen lag. Zu einem anderen Balg war eine
Verbindung geschaffen, um die Orgel aus zwei Bälgen zu speisen. Dieses
funktioniert aber nur mit einem zusätzlichen Regulierventil. Das Gebläse war
mit einem handelsüblichen Elektromotor mit Kugellagern angetrieben, dessen
Geräusch eher etwas mit einem startenden Flugzeug gemeinsam hatte als mit einem
Orgelgebläse. Der Winddruck war auf 63 bis 66 mm Wassersäule eingestellt. Die
Tonhöhe lag bei 440 Hz , 8 Grad Celsius. Die Stimmung
konnte nicht mehr ganz eindeutig festgestellt werden. Das belegen folgende
Messungsergebnisse:
We found an instrument still standing complete since
1869. Voicing, tuning and function was in a very bad
condition. The principal 8´ was original from 1869. There is a notice in the
archive of the church which says, that the pipes were taken away during the
world war. The last choir of the mixture was reconstructed by organ building
master Martin Haspelmath during a work years ago. Not
only the 1 1/3´choir of mixture, but the bell of the calkant
and the both candle holders were lost. There was only one bellow supplying the
organ with wind. The “box” bellows can not act free,
because of the rubble all over them. There was a wind conduct from the
controlled bellow to an other
bellow, to get better wind conditions. You can do this if you add a regulator.
The electric blower had only normal ball bearings. The sound of it remained of
a plain taking of. The pressure was done up with 63 to 66 mm WS
. The pitch was at 440 Hz , 8° Celsius. It was
not possible to get the original tuning. It is shown by the following measuring
list:
Centabweichungen von Gleichschwebend temperiert gemessen / cents deviation from equal temperament:
3.1: Octave 4’: a# b
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 2 0 3 9 3 6 0 -1 5 5 5
3.2: Principal 8’: a# b
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 5 1 0,5 2 2 5,5 2,5 2 2,5 0 5
3.3: Gemshorn 4’: a# b
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 4 2 0 4 4 2 -3,5 0 3 -1 0
Weitere Messungen, die wir an der Körperlänge
großer Holzpfeifen machten, ergaben folgende Ergebnisse:
further measurements we took from big wooden pipes:
3.4: Violon
16’: a# b
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 7 -5,4 -9 -12 -10,9 -15,3 -12,6 -4,3 -14,3 -10,7 -1,6
3.5: Bordun 16’: a# b
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 4,8 2,7 3,7 8 10,9 11,6 6,2 7,2 5,7 3,3 -3,2
3.6: Salicional 8’: a# b
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 -1,8 2,6 3,2 -2 -6,6 6,6 -7,5 2,5 17,7 19,3 -5,8
Die Schaudiagramme im Anhang verschaffen einen
Überblick!
Der Tastengang war im I. Manual 10,5 mm, im
II. Manual 11 mm und die Traktur sehr schwergängig. Das Register Clarinette war
nicht mehr spielbar, außerdem durch eine Schraube blockiert. Einige Becher und
Pfeifen waren abhanden gekommen, oder abgeknickt. Die Füße der Principal
8’-Pfeifen im Pedal waren so zusammengeschrumpft, das nichts mehr von den
größten Pfeifen zu hören war. Auch die Windladen wiesen solche Undichtigkeiten
auf, dass einige Pfeifen kaum Wind bekamen und es somit auch einige
Durchstecher gab. Die
elektrische Anlage war veraltet.
The movement of the key action was 10,5 mm in the first and 11 mm in the second manual and heavy
to play. The Clarinette 8´was not play able, also
blocked with a screw. Some resonators and pipes was lost, ore fallen down. The
bigger pipes from the principal 8´ in the pedal was
squeezed together, so that you could not hear them. The windchests
had such holes, that the pipes got not enough wind and the system sticks
through. The electric light system in the case was to old.
4. Arbeiten am Gehäuse / works on the case:
Beim Reinigen der Orgel fielen uns gleich
Veränderungen am Gehäuse auf, die wir teilweise berichtigt haben. Die Füllungen
im Untergehäuse sind aus ganzen Holzplatten gemacht. Normalerweise kein
Problem, wenn nicht die zwei aufeinander geleimten Schichten aus zwei
verschiedenen Holzarten wären (Eiche/Fichte). Im Obergehäuse haben wir einige
Füllungen neu verleimt, da dort ganze Holzbretter in die Rahmen genagelt waren.
Die Rückwand der Orgel haben wir mit Dielenbrettern und Isolierung gegen den
kalten Balgraum aufgedoppelt. Den Ansaug des Motors haben wir durch die
Rückwand ins Orgelinnere gelegt. Über den Bälgen haben wir einen Dielenboden
gegen herab fallenden Schutt eingezogen. Allerdings mussten wir Löcher für die
Gewichte der alten Uhr in diesen Boden schneiden. Auf ihm befindet sich jetzt
der Orgelmotor in einer schallisolierten Kiste. Für den Spieltischbereich haben
wir neue Leuchter im Stil der Schmiedearbeiten der Hase - Kirche anfertigen
lassen.
During cleaning up the organ we saw, that the case had
been changed / moved, we repair the most of this. The panels in the lower case
are made from one peace of wood. Normally this is no
problem, but they glued two different sorts of wood together (spruce and oak).
In the upper part we glue broken panels together. This large boards
was nailed in the frames from behind. The back of the instrument we double with
boards from spruce and rock wool, against the cold air from the tower and big
window behind. The inlet conduct of the blower we put inside the case. We made
a wooden floor above the four box bellows against rubble falling down. We had
to saw holes in that floor, because of the weights of the old clock. On this
floor we posed the sound insulation blower box. We ordered new iron hand made candle
holder for the key desk. They look like other interior objects in the stile of “Hase”.
5. Arbeiten am Windsystem
/ works on the wind and bellow
system :
Alle vier Kastenbälge sind jetzt wieder
verwendbar. Sie sind mit neuem Schafleder bezogen. Die elektrische
Windversorgung ist erneuert und speist alle vier Kästen über eine der zwei
Ansaugöffnungen jeden Balges. Jeder Kastenbalg hat ein eigenes Rollventil, das
über eine Wippe gesteuert wird. Die Machart der neuen Kanäle (ca. 20m)
orientiert sich eng an den vorhandenen Furtwänglerschen Kanälen. Sie sind an
den Kröpfen und Enden gezinkt.
Nach verschiedenen Versuchen, den originalen
Winddruck zu ermitteln, kamen wir aufgrund folgender Gesichtspunkte zu dem von
uns angebrachten Winddruck von 76mm/WS:
1)
Bei 76 mm W/S sprechen die Pfeifen am besten an, bei
denen bauartbedingt keine Veränderungen geschehen sein können.
2)
Das Gewicht der Bälge darf nicht schwerer sein, als der
Kalkant selber (früher oft Schüler).
3)
Der Kastenbalg läuft nur mit etwas Gewicht am Kastenboden
gleichmäßig.
4)
Die Töne der Durchschlagenden Zunge reagieren empfindlich
auf falsche Winddrucke.
One can use all four box bellows. They are skinned
with new sheep leather. The electric blower is new and supplies each box bellow
through one of two inlet valves. Each bellow has his own
roller pallet regulated by a rocker arm. The r.a. 20 meter new wind ducts are made like the
original ducts from Furtwängler. The ends of them are
closed in a traditional way of connecting wooden boards.
After some different experiments to get the original
wind pressure, the following reasons gave us the answer to put the pressure to
76 mm/WS:
1) The speech of the pipes, which was not
changed during 130 years because of there style of
building, is the best at 76 mm W/S
2) The weight has to by
a little smaller than one person need to push one of the bellows.
3) There has to be a weight in the ground of
the inner box, so it moves correct.
4) The is a free reed called “Clarinette”.
This stop is very sensible with different pressure.
Das Kanalsystem und Lage der Windladen:
I. Windlade
I. Man. (C-Seite)
II. Windlade
I. Man. (Cs-Seite)
III. Windlade
II. Man.
IV. Pedalwindlade
(C-Seite)
V. Pedalwindlade
(Cs-Seite)
VI. Kastenbalg
VII. Aufrechter
Kanal zum Gebläse mit Rollventilvorrichtungen
VIII. Kalkantenkammer
IX. Orgelgehäuse
X. Treppenaufgang
zu Turm und Orgel
XI. Emporenzugang
6. Arbeiten an den 5 Windladen / works on the 5 windchests:
Alle Trockenrisse unter der Lade haben wir mit
Leder überklebt, nachdem wir die Spunde fixiert hatten. Die Risse in den
Spunden des Fundamentes haben wir nachgeschnitten und passendes Leder
eingeleimt. An einigen Stellen haben wir künstliche Einschnitte in die Spunde
gemacht und mit Leder abgedichtet, damit die Laden trotz verschiedener
Luftfeuchtigkeiten und Temperaturen der Kirche nicht reißen. Danach haben wir
die Laden abgerichtet. In den Manualladen tauschten wir die Lederbahnen gegen
Lederringe (aus 0,8 mm geschliffenem Schafleder) aus. Dämme und Schleifen
richteten wir ab und versahen die Stockunterseiten ebenfalls mit Lederringen.
Die Ventilfedern waren an einem Schenkel gekürzt. Dadurch waren sie nicht mehr
richtig gängig. Die Federleisten, die mit modernen Nägeln befestigt waren haben
wir ausgebaut. Dann haben
wir neue Federn ohne Auge
eingebaut.
On the under site we covered the cracks (from drying)
with leather, after fixing the sponsels. The cracks
in the sponsels of the upper side, we saw a little
bit wider and filled them with sheepskin. Some more sponsels
we saw and filled them with leather to keep the wind chest save, because of the
changing humidity in the church. After that we airtight the
chest. The slider beds was skinned with
leather. We changed this and put slider seals of sheep leather with a thickness
of 0,8 mm on it. We planed
the sliders and toe boards and put leather rings under the toe boards. One leg
of the old springs was shorten. Because of this we had
bad action. We took out the spring rails witch was fastened with modern
nails. We put in new springs without
eyes.
7. Arbeiten an der Traktur / works on the key action:
Alle Durchgänge sind durch uns gereinigt und
gängig gemacht worden. Die regulierbaren Abzugdrähte und die zerbrochenen
Federn an den Wellen haben wir durch neue ersetzt, das Pedalwellenbrett
(waagerecht) komplett zerlegt und nach einem original erhaltenen Vorbild neu
gepolstert. Den Gang der Traktur verringerten wir vor allem im Pedal. Die
Halterung und Lage der Wellen und Wellenfedern stellten wir neu ein. Außerdem
erneuerten wir den Winkelbalken im Pedal, polsterten die Pedalklaviatur neu.
Die fehlenden Knochenbeläge im Manual haben wir ersetzt und den ganzen
Spieltischbereich überarbeitet.
We cleaned up and repaired the complete action. We
changed the broken wires with leather nuts and broken springs under one side of
the rollers with new material. We took apart the roller board of the pedal and added new
cushion. We made less movement in the action. We tune in the position and
movement of the rollers and their springs. In the pedal we made a new square
rail. We made new cushion on the pedal board. We added some missing bone plates
in the manuals and restored the whole area round the key desk.
8. Arbeiten am Regierwerk
work
on the stop action:
Die ganze Mechanik haben wir überholt,
gereinigt und repariert. Den Gang der Manubrien haben wir neu eingestellt. Die
Glocke und die Mechanik des Kalkantenzugs haben wir neu eingebaut. Das
Drahtseil und die Mechanik der Betglocke haben wir entfernt.
9. Arbeiten an den Pfeifen:
I.
Manual:
Principal 8´
Der Principal ist original vorhanden. Er ist
mit offenen Füßen intoniert. Die Labien der Außenpfeifen sind eingesetzt. Wir
konnten also die Tendenzen der Intonation die Lautstärke und den Winddruck
feststellen. Lautstärke und Ansprache verändern sich bei solchen Pfeifen
gegenüber eingedrückt - labierten weniger. Die Kerne der ersten 10 Pfeifen
waren etwas abgesunken. Diese haben wir gerichtet und stabilisiert. Alle
Stimmlappen befestigt und angelängt.
Bordun 16´
Die Metallpfeifen des Bordun waren relativ
einfach zu handhaben. Voraussetzung war für uns natürlich neben dem
ordnungsgemäßen Rundieren der Pfeifen und Richten der Füße eine sachgerechte
Abdichtung der Deckel mit passendem Leder, das nicht gegen Metall aggressiv
wirkt. Die Lötnaht der Deckel ist interessanterweise bei allen Gedeckten der
Orgel von oben gelötet. Die Unter - und Oberlabien der größeren Metallpfeifen
mussten wir etwas in ihre ursprüngliche Stellung versetzen (Siehe Skizze). Die
Holzpfeifen wurden einer gründlichen Kontrolle und nötigen Reparatur
unterzogen. Das erste Ergebnis war in der Lautstärke zufrieden stellend. Es gab
aber so viele Ansprach Geräusche, die auf die Größe der Kernspalte und direkter
Aufstellung hinter dem Principal zurückzuführen waren. Während der Vorabnahme
wurde beschlossen dieses zurückzunehmen, was wir auch dann gemacht haben. Eine
andere Möglichkeit, die Pfeifen nach hinten sprechen zu lassen ist bei den
Holzpfeifen auf Grund der dahinter liegenden Holzregister nicht möglich
gewesen.
Gamba 8´
Die Fußlöcher aller Metallpfeifen waren stark
zugemacht. Die Gambe war in der Lautstärke wie das Salicional im II. Manual.
Die fast unerreichbaren Holzpfeifen im Baß waren sehr laut und unpräzise. Der
Lautstärkeübergang war so groß, das wir daraus schlossen, dass die
Metallpfeifen einmal sehr viel lauter gewesen sein mussten. Wir haben die
Fußlöcher der Metallpfeifen etwas geöffnet. Die Stimmlappen wurden wie beim Principal befestigt und angelangt.
Die Holzpfeifen haben wir im ersten Intonationsschritt an der Spalte
ausgeglichen, die Fußlöcher reguliert. Als Ergebnis haben wir eine deutlich
anstreichende Gambe. Als Ergebnis verschiedener Versuche die Pfeifen in der
Ansprache schneller zu machen hatten wir einen gedeckten bordunartigen Klang,
verursacht durch die durch uns angebrachten Rollenbärte. Das haben wir umgehend
wieder entfernt. Da die Holzpfeifen der Rohrflöte 8’ direkt neben der Gambe
stehen und man davon ausgehen kann, das der Erbauer, sollte er solch einen Klang
gewollt haben, die ersten Töne zusammengeführt hätte. Im II. Manual sind
Salicional 8’ und Flauta traverse 8’ von C bis H zusammengeführt.
Rohrflöte 8´
Auch hier haben wir alle Deckel mit Leder
abgedichtet. Viele Deckel waren an der Lötnaht aufgegangen. Auch mussten wir
teilweise die Röhrchen wieder anlängen. Die Holzpfeifen haben wir neu befestigt
und abgedichtet.
Quintatön 8´
Die Pfeifen wurden alle der gleichen Prozedur
unterzogen, wie wir das auch bei allen Gedeckten Metallpfeifen gemacht haben:
Reinigen, ausbeulen, Deckel mit Leder abdichten, kalt gelötete Stellen
korrigieren, veränderte Kerne, Spalten und Labien richten, Fußlöcher
reparieren. Die Intonation dieses Registers erforderte einiges an Können, da
alle Kerne im Vergleich übermäßige Stiche haben.
Octav 4´
Hier mussten wir bei allen Labien der größeren
Pfeifen im Gegensatz zum Principal 8´ die zeitbedingten Veränderungen
korrigieren. (Siehe Skizze). Auch hier wurden die Stimmlappen befestigt und
verlängert.
Zeichnung:
Veränderungen an den Labien:
1. Ursprüngliche
Form
2. Veränderung
Gedactflöte 4´
Deckel sind mit Leder gedichtet worden. Alle
Mündungen der offenen haben wir neu angelängt.
Octav 2´
Wie Octave 4´.
Mixtur 4 fach
Alle Pfeifen, die auf Ton abgeschnitten waren
haben neue Mündungen bekommen, das betraf auch die gesamte konische Terz. Die
Pfeifen der letzten Reihe sind stark zerstochen. Sonst wie Octave 4´.
Die Aufstellung der Mixtur entspricht der
Aufstellung der Furtwängler - Orgel in Lauenau:
auf C vier Chöre: g c1 e1 c2
auf
c° vier Chöre: g1 c2 e2 g2
auf c1
vier Chöre: c2 g2 c3 e3
oder:
C 2
2/3´ 2´ 1 3/5´ 1´
c° 2
2/3´ 2´ 1 3/5´ 1 1/3
c1 4´ 2 2/3´ 2´ 1
3/5´
Trompete 8´
Fast alle Zungen konnten original erhalten
werden, trotz starker Knicke und Beulen mitten auf der Zungenspitze (Spuren von
Krücken, die schräg auf die Zungen geschnappt sein müssen). In den
Bechermündungen waren einige Schnitte und Löcher gemacht, die wir repariert
haben. Die Kehlen waren teilweise stark verbogen. Solche Kehlen haben wir vor
dem Feilen gerichtet. Die Köpfe sind meistens zu kalt gegossen worden. Das
heißt: es befanden sich Hohlräume in den Köpfen, die wir mühsam schließen
mussten. Die Belederung einiger Kehlen im Baß war durchgeschlagen. Solche haben
wir durch neues feines Leder ersetzt.
II.
Manual:
Geigenprincipal 8´
Die Holzpfeifen gingen teilweise gar nicht
mehr, weil die aufgesetzten Bleche am Labium (zur Erniedrigung des
Aufschnittes) sich aufgewölbt hatten. Die Metallpfeifen wiesen Veränderungen
auf, wie bei dem Octav 4’- Register im I. Manual.
Salicional
8´
Die Pfeifen sind offensichtlich gegenüber dem
übrigen Werk kürzer. Dieses kann man deutlich an den nicht abgeschnittenen
Lötungen an den Mündungen sehen. Deshalb haben wir dieses Register auf
Schwebung gestimmt. Die größten Metallpfeifen haben wir an ein Raster gebunden.
Flauto traverse 8´
Diese Flöte war stark desolat. Viele Pfeifen
waren umgeknickt. Dieses Register erforderte viel Sorgfalt, da die Mensur um 19
Halbtöne enger als NM ist. Auch hier haben wir die großen Pfeifen an ein Raster
gebunden.
Lieblich Gedact 8´
Die Holzpfeifen haben wir abgedichtet, „e3“
ist neu gemacht. Bei den Metallpfeifen und Deckeln waren Lötnähte aufgegangen.
Gemshorn 4´
Dieses Register hat Streichermensur ( 9
Halbtöne enger als NM). Reparatur - und Intonationsarbeiten sind hier
vergleichbar mit Arbeiten an der Gambe im I. Manual.
Waldflöte 2´
Alle Deckel mußten abgedichtet werden. Die
Mündungen der offenen Diskantpfeifen waren zerstört. Eine Pfeife ist neu.
Clarinette 8´
Stiefel und Becher mußten neu befestigt und
sortiert werden. Die Becher der ersten zwei Octaven haben wir an ein neues
Raster gehängt. Drei der größten Becher waren nicht mehr vorhanden. Diese haben
wir neu gemacht. Die Becher der großen Octave waren in die Köpfe gesunken. Die
Becherspitzen ab g sind durch angelötete
Bleche und vier Schrauben am Holzkopf befestigt. Um ein erneutes Einsinken der
großen Becher in den Kopf zu verhindern, haben wir diese Technik übernommen,
nur das Blech nicht verschraubt, damit man den Kopf leichter herausnehmen kann.
Der Übergang zwischen Becher und Kopf wurde mit einem Lederring gedichtet. Die
Zungen, Kehlen, Stimmvorrichtungen und Zungenträger wurden gereinigt und neu
eingerichtet.
Pedal:
Principal 8´
Die Fußspitzen dieser Pfeifen waren aufgrund
ihrer dünnen Wandungen und ihres großen Körpergewichts auf den Stock und in die
Bohrungen gesunken. Deshalb waren die größten Pfeifen sehr leise und mussten im
Laufe der Zeit immer höher gestimmt werden. Wir haben diese Pfeifen gerichtet
und gerade auf Holzklötzen aufgestellt. Die Fußspitzen haben wir nicht
eingezogen. Diese Pfeifen sind kräftig intoniert. Am Spieltisch hat man jedoch
den Eindruck, es wären Holzpfeifen mit normaler Lautstärke. Die Unterlabien der
größten Pfeifen waren auffälligerweise aufgedoppelt.
Subbaß 16´
Die Stimmvorrichtungen haben wir gängig
gemacht und die Risse einiger Pfeifen abgedichtet.
Auch bei diesem Register sind die Pfeifen am
Kern gezinkt, was für Furtwängler typisch ist.
Violon 16´
Die Stimmvorrichtungen waren teilweise
entfernt und die Pfeifen durch Löcher in der Rückwand höher gestimmt. Dieses
haben wir rückgängig gemacht.
Bordun 8´
Die Deckel haben wir mit Leder gedichtet, die
Lötnähte repariert und alle Holzpfeifen abgedichtet. C bis Gis sind aus Holz.
Auf der folgenden Metallpfeife „A“ findet man die Aufschrift: „Soltau“. Was
dieser Umstand bedeutet kann man nur vermuten. Ein Jahr nach Erbauung der
Markoldendorfer Orgel wurde 1870 in Soltau eine Furtwängler-Orgel eingeweiht.
Octav 4´
Dieses Register hat die gleiche Mensur und
Zustand wie der 4´ im I. Manual. Nur sind diese Pfeifen lauter intoniert, da
das Pedal akustisch ungünstig steht. Hier haben wir die Labien gerichtet und
die Mündungen repariert.
Posaune 16´
Alle Becher sind gereinigt und teilweise neu
befestigt worden, die Köpfe und Kehlen gereinigt und gängig gemacht. Das
gesamte Pedalwerk ist aufgrund seiner Position unter dem Turmgewölbe bei den
tiefsten Tönen (C bis Fis) zu leise. Dieses betrifft die Posaune besonders, da
bei ihr der Schall nur an der Bechermündung austritt und unter dem Turmgewölbe
absorbiert wird. Die folgende Versuchsreihe zeigt das Problem:
Zeichnung:
Akustische Lage des Pedals:
10. Versuchsreihe mit
dem Ton „C“ der Posaune 16´:
„C“ ist zu leise. Alle folgenden Töne werden
allmählich lauter. Erst der Ton „G“ ist akzeptabel.
Versuch: „V“ Ergebnis:
„E“
V1: Die
Zunge von „C“ wird weiter aufgeworfen, der Aufwurf am Zungenende zurückgenommen.
E1: Der
Ton kommt zu spät bei keinerlei Lautstarke Veränderung.
V2: Aufbringen
der halben Becherlänge (Becher von „c“).
E2: Der
Ton wird etwas lauter, heller, dünner. Im Kirchenraum keine Lautstärkeverbesserung, sondern eher
Fundamentverlust.
V3: Den
ganzen Ton „C“ der Trompete 8’ aus dem I. Manual stellen wir auf das Stockloch von Posaune „C“ im Pedal.
E3: Der
ehemals laute Ton aus dem Manual klingt jetzt deutlich leiser und hat keinerlei rasselnde Geräusche. Er klingt
sehr rund und stumpf.
V4: Wir
stimmen den Ton „C“ einen Halbton tiefer, auf Kontra HH. (künstliche Becherverkürzung).
E4: Der
Ton wird etwas lauter, er behalt sein Fundament, wird aber heller.
V5: Der
Kehlenausschnitt von „D“ wird um 2,5 mm aufgefeilt und eine breitere Zunge eingebaut.
(Aufschnittbreite jetzt 18,5 mm, Zungenbreite jetzt 22 mm).
E5: Der
Ton wird wenig lauter, aber heller, insgesamt nicht der Rede Wert.
V6: Die
Lederauflage wird harter gemacht.
E6: Der
Ton klirrt.
V7: Die
Stockbohrung wird von 25 mm auf 30mm vergrößert.
E7: Der
Ton wird unruhig. Flattert besonders bei der Ansprache. Sonst keine Veränderung.
V8: Es
wird eine dünnere Zunge eingebaut (von 1,3 mm auf 1 mm)
E8: Der
Ton wird heller, lauter und klirriger.
11. Stimmung der Orgel:
Die Tonhöhe der Orgel war vor Beginn der
Arbeiten 440 Hz bei 8° C. Bestrebungen, die Orgel auf 440Hz bei 18° C zu
bringen konnten wir nicht folge leisten. Nach mehreren Besprechungen besann man
sich die Orgel auf 440 Hz bei 15 ° C zu bringen. Im Laufe der Arbeiten stellte
sich heraus, dass diese Tonhöhe wohl dem Original nachkommt.
Wie schon oben in Punkt 3. erläutert, konnte
kein besonderes Stimmungsprinzip ermittelt werden. Aus den Erfahrungen, die Martin
Haspelmath an anderen Furtwänglerorgeln machte, nahmen wir folgende Stimmung
an:
Cent Abweichungen von gleich schwebend
temperiert gemessen:
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 -5 -2 -1 -4 1 -7 -1 -3 -4 1 -4
Das Stimmungsdiagramm im Anhang veranschaulicht
diese Stimmung.
Detailzeichnungen und Mensuren können
Sie persönlich bei Orgelbaumeister Harm Kirschner erfragen
List
of contents:
1. Einführung
2. Disposition
3. Zustand
der Orgel vor Beginn der Arbeiten
4. Arbeiten
am Gehäuse
5. Arbeiten
am Windsystem
6. Arbeiten
an den 5 Windladen
7. Arbeiten
an der Traktur
8. Arbeiten
am Regierwerk
9. Arbeiten
an den Pfeifen
10. Versuchsreihe mit dem Ton „C“ der Posaune
16´
11. Stimmung
der Orgel
12. Mensurangaben
13. Stimmungsdiagramme
1. Einführung:
In Markoldendorf finden wir ein vollständig
erhaltenes Orgelwerk, das alle Veränderungsbestrebungen in Bezug auf
Klangvorstellungen und technischen Errungenschaften unserer Zeit überlebt hat.
Im Unterschied zu den meisten anderen historischen Orgeln steht sie in einem
Kirchraum, der mit der Orgel gleichzeitig in Betrieb genommen wurde. So ist
noch nahezu alles in einer damals durch den Kirchenarchitekten Hase und den
Orgelbauer Furtwängler erdachten Situation. Die Arbeiten an dieser Orgel dauerten
ungefähr ein Jahr. Sie wurden durch die Orgelbauwerkstätten Haspelmath und
Kirschner im Rahmen einer Gemeinschaftsarbeit durchgeführt.
2. Disposition:
I.
Manual: Bordun 16´
Principal 8´
Gamba 8´
Rohrflöte 8´
Quintatön 8´
Octav 4´
Gedectflöte 4´
Octav 2´
Mixtur 4 fach
Trompete 8´
II.
Manual: Geigenprincipal 8´
Flauto
traverse 8´
Salicional 8´
Lieblich
Gedact 8´
Gemshorn 4´
Waldflöte 2´
Clarinette 8´
Pedal: Violon 16´
Subbaß 16´
Principal 8´
Bordun 8´
Octav 4´
Posaune 16´
Nebenzüge: Manualkoppel II/I
Pedalkoppel I/Ped
Kalkant
3. Zustand der Orgel vor Beginn der Arbeiten:
Vorgefunden wurde ein komplett erhaltenes
Instrument. Intonation, Funktion und Stimmung waren in einem schlechten
Zustand. Entgegen Aufzeichnungen aus Markoldendorfer Kirchenbüchern ist der Prospekt original
erhalten. Die letzte Mixturreihe hat Orgelbaumeister Martin Haspelmath schon in
einer vorhergehenden Arbeit auf die Originale Zusammensetzung gebracht. Neben der
1 1/3’ Mixturreihe ist auch die Kalkantenglocke und die Kerzenleuchter am
Spieltisch verlorengegangen. Die Orgel wurde nur noch aus einem Balg gespeist.
Die Kastenbälge konnten sich nicht mehr frei bewegen, da überall Schutt auf
Ihnen lag. Zu einem anderen Balg war eine Verbindung geschaffen, um die Orgel
aus zwei Bälgen zu speisen. Dieses funktioniert aber nur mit einem zusätzlichen
Regulierventil. Das Gebläse war mit einem handelsüblichen Elektromotor mit
Kugellagern angetrieben, dessen Geräusch eher etwas mit einem startenden
Flugzeug gemeinsam hatte als mit einem Orgelgebläse. Der Winddruck war auf 63
bis 66 mm Wassersäule eingestellt. Die Tonhöhe lag bei 440 Hz , 8 Grad Celsius.
Die Stimmung konnte nicht mehr ganz eindeutig festgestellt werden. Das belegen
folgende Messungsergebnisse:
Centabweichungen
von Gleichschwebend temperiert gemessen:
3.1: Octave 4’:
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 2 0 3 9 3 6 0 -1 5 5 5
3.2: Principal
8’:
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 5 1 0,5 2 2 5,5 2,5 2 2,5 0 5
3.3: Gemshorn 4’:
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 4 2 0 4 4 2 -3,5 0 3 -1 0
Weitere Messungen, die wir an der
Körperlänge großer Holzpfeifen machten, ergaben folgende Ergebnisse:
3.4: Violon 16’:
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 7 -5,4 -9 -12 -10,9 -15,3 -12,6 -4,3 -14,3 -10,7 -1,6
3.5: Bordun 16’:
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 4,8 2,7 3,7 8 10,9 11,6 6,2 7,2 5,7 3,3 -3,2
3.6: Salicional 8’:
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 -1,8 2,6 3,2 -2 -6,6 6,6 -7,5 2,5 17,7 19,3 -5,8
Die Schaudiagramme im Anhang verschaffen
einen Überblick!
Der Tastengang war im I. Manual 10,5 mm, im
II. Manual 11 mm und die Traktur sehr schwergängig. Das Register Clarinette war
nicht mehr spielbar, außerdem durch eine Schraube blockiert. Einige Becher und
Pfeifen waren abhanden gekommen, oder abgeknickt. Die Füße der Principal 8’-Pfeifen
im Pedal waren so zusammengeschrumpft, das nichts mehr von den größten Pfeifen
zu hören war. Auch die Windladen wiesen solche Undichtigkeiten auf, daß einige
Pfeifen kaum Wind bekamen und es somit auch einige Durchstecher gab. Die
elektrische Anlage war veraltet.
4. Arbeiten am Gehäuse:
Beim Reinigen der Orgel fielen uns gleich
Veränderungen am Gehäuse auf, die wir teilweise berichtigt haben. Die Füllungen
im Untergehäuse sind aus ganzen Holzplatten gemacht. Normalerweise kein
Problem, wenn nicht die zwei aufeinandergeleimten Schichten aus zwei
verschiedenen Holzarten wären (Eiche/Fichte). Im Obergehäuse haben wir einige
Füllungen neu verleimt, da dort ganze Holzbretter in die Rahmen genagelt waren.
Die Rückwand der Orgel haben wir mit Dielenbrettern und Isolierung gegen den
kalten Balgraum aufgedoppelt. Den Ansaug des Motors haben wir durch die
Rückwand ins Orgelinnere gelegt. Über den Bälgen haben wir einen Dielenboden
gegen herabfallenden Schutt eingezogen. Allerdings mußten wir Löcher für die Gewichte
der alten Uhr in diesen Boden schneiden. Auf ihm befindet sich jetzt der
Orgelmotor in einer schallisolierten Kiste. Für den Spieltischbereich haben wir
neue Leuchter im Stil der Schmiedearbeiten der Hase-Kirche anfertigen lassen.
5. Arbeiten am Windsystem:
Alle vier Kastenbälge sind jetzt wieder
verwendbar. Sie sind mit neuem Schafleder bezogen. Die elektrische
Windversorgung ist erneuert und speist alle vier Kästen über eine der zwei
Ansaugöffnungen jeden Balges. Jeder Kastenbalg hat ein eigenes Rollventil, das
über eine Wippe gesteuert wird. Die Machart der neuen Kanäle (ca. 20m)
orientiert sich eng an den vorhandenen Furtwänglerschen Kanälen. Sie sind an
den Kröpfen und Enden gezinkt.
Nach verschiedenen Versuchen, den
originalen Winddruck zu ermitteln, kamen wir aufgrund folgender Gesichtspunkte
zu dem von uns angebrachten Winddruck von 76mm/WS:
1) Bei 76 mm W/S sprechen die Pfeifen am
besten an, bei denen bauartbedingt keine Veränderungen geschehen sein können.
2) Das Gewicht der Bälge darf nicht
schwerer sein, als der Kalkant selber (früher oft Schüler). 3) Der Kastenbalg
läuft nur mit etwas Gewicht am Kastenboden gleichmäßig.
4) Die Töne der Durchschlagenden Zunge
reagieren empfindlich auf falsche Winddrucke.
Das
Kanalsystem und Lage der Windladen:
I. Windlade
I. Man. (C-Seite)
II. Windlade
I. Man. (Cs-Seite)
III. Windlade
II. Man.
IV. Pedalwindlade
(C-Seite)
V. Pedalwindlade
(Cs-Seite)
VI. Kastenbalg
VII. Aufrechter
Kanal zum Gebläse mit Rollventilvorrichtungen
VIII. Kalkantenkammer
IX. Orgelgehäuse
X. Treppenaufgang
zu Turm und Orgel
XI. Emporenzugang
6. Arbeiten an den 5 Windladen:
Alle Trockenrisse unter der Lade haben wir
mit Leder überklebt, nachdem wir die Spunde fixiert hatten. Die Risse in den
Spunden des Fundamentes haben wir nachgeschnitten und passendes Leder
eingeleimt. An einigen Stellen haben wir künstliche Einschnitte in die Spunde
gemacht und mit Leder abgedichtet, damit die Laden trotz verschiedener
Luftfeuchtigkeiten und Temperaturen der Kirche nicht reißen. Danach haben wir
die Laden abgerichtet. In den Manualladen tauschten wir die Lederbahnen gegen
Lederringe (aus 0,8 mm geschliffenem Schafleder) aus. Dämme und Schleifen
richteten wir ab und versahen die Stockunterseiten ebenfalls mit Lederringen.
Die Ventilfedern waren an einem Schenkel gekürzt. Dadurch waren sie nicht mehr
richtig gängig. Die Federleisten, die mit modernen Nägeln befestigt waren haben
wir ausgebaut. Dann haben wir neue Federn ohne Federleisten eingebaut.
7. Arbeiten an der Traktur:
Alle Durchgänge sind durch uns gereinigt
und gängig gemacht worden. Die regulierbaren Abzugdrähte und die zerbrochenen
Federn an den Wellen haben wir durch neue ersetzt, das Pedalwellenbrett
(waagerecht) komplett zerlegt und nach einem original erhaltenen Vorbild neu
gepolstert. Den Gang der Traktur verringerten wir vor allem im Pedal. Die
Halterung und Lage der Wellen und Wellenfedern stellten wir neu ein. Außerdem
erneuerten wir den Winkelbalken im Pedal, polsterten die Pedalklaviatur neu.
Die fehlenden Knochenbeläge im Manual haben wir ersetzt und den ganzen
Spieltischbereich überarbeitet.
8. Arbeiten am Regierwerk:
Die ganze Mechanik haben wir überholt,
gereinigt und repariert. Den Gang der Manubrien haben wir neu eingestellt. Die
Glocke und die Mechanik des Kalkantenzugs haben wir neu eingebaut. Das
Drahtseil und die Mechanik der Betglocke haben wir entfernt.
9. Arbeiten an den Pfeifen:
I.
Manual:
Principal 8´
Der Principal ist original vorhanden. Er
ist mit offenen Füßen intoniert. Die Labien der Außenpfeifen sind eingesetzt.
Wir konnten also die Tendenzen der Intonation die Lautstärke und den Winddruck
feststellen. Lautstärke und Ansprache verändern sich bei solchen Pfeifen
gegenüber eingedrückt - labierten weniger. Die Kerne der ersten 10 Pfeifen
waren etwas abgesunken. Diese haben wir gerichtet und stabilisiert. Alle
Stimmlappen befestigt und angelängt.
Bordun 16´
Die Metallpfeifen des Bordun waren relativ
einfach zu handhaben. Voraussetzung war für uns natürlich neben dem
ordnungsgemäßen Rundieren der Pfeifen und Richten der Füße eine sachgerechte
Abdichtung der Deckel mit passendem Leder, das nicht gegen Metall aggressiv
wirkt. Die Lötnaht der Deckel ist interessanterweise bei allen Gedeckten der
Orgel von oben gelötet. Die Unter - und Oberlabien der größeren Metallpfeifen
mußten wir etwas in ihre ursprüngliche Stellung versetzen (Siehe Skizze). Die
Holzpfeifen wurden einer gründlichen Kontrolle und nötigen Reparatur
unterzogen. Das erste Ergebnis war in der Lautstärke zufriedenstellend. Es gab
aber so viele Ansprachgeräusche, die auf die Größe der Kernspalte und direkter
Aufstellung hinter dem Principal zurückzuführen waren. Während der Vorabnahme
wurde beschlossen dieses zurückzunehmen, was wir auch dann gemacht haben. Eine
andere Möglichkeit, die Pfeifen nach hinten sprechen zu lassen ist bei den
Holzpfeifen auf Grund der dahinter liegenden Holzregister nicht möglich
gewesen.
Gamba 8´
Die Fußlöcher aller Metallpfeifen waren stark
zugemacht. Die Gambe war in der Lautstärke wie das Salicional im II. Manual.
Die fast unerreichbaren Holzpfeifen im Baß waren sehr laut und unpräzise. Der
Lautstärkeübergang war so groß, das wir daraus schlossen, daß die Metallpfeifen
einmal sehr viel lauter gewesen sein mußten. Wir haben die Fußlöcher der
Metallpfeifen etwas geöffnet. Die Stimmlappen wurden wie beim Principal befestigt und angelangt.
Die Holzpfeifen haben wir im ersten Intonationsschritt an der Spalte
ausgeglichen, die Fußlöcher reguliert. Als Ergebnis haben wir eine deutlich
anstreichende Gambe. Als Ergebnis verschiedener Versuche die Pfeifen in der
Ansprache schneller zu machen hatten wir einen gedeckten bordunartigen Klang,
verursacht durch die durch uns angebrachten Rollenbärte. Das haben wir umgehend
wieder entfernt. Da die Holzpfeifen der Rohrflöte 8’ direkt neben der Gambe
stehen und man davon ausgehen kann, das der Erbauer, sollte er solch einen
Klang gewollt haben, die ersten Töne zusammengeführt hätte. Im II. Manual sind
Salicional 8’ und Flauta traverse 8’ von C bis H zusammengeführt.
Rohrflöte 8´
Auch hier haben wir alle Deckel mit Leder
abgedichtet. Viele Deckel waren an der Lötnaht aufgegangen. Auch mußten wir
teilweise die Röhrchen wieder anlängen. Die Holzpfeifen haben wir neu befestigt
und abgedichtet.
Quintatön 8´
Die Pfeifen wurden alle der gleichen
Prozedur unterzogen, wie wir das auch bei allen Gedeckten Metallpfeifen gemacht
haben: Reinigen, ausbeulen, Deckel mit Leder abdichten, kalt gelötete Stellen
korrigieren, veränderte Kerne, Spalten und Labien richten, Fußlöcher
reparieren. Die Intonation dieses Registers erforderte einiges an Können, da
alle Kerne im Vergleich übermäßige Stiche haben.
Octav 4´
Hier mußten wir bei allen Labien der
größeren Pfeifen im Gegensatz zum Principal 8´ die zeitbedingten Veränderungen
korrigieren. (Siehe Skizze). Auch hier wurden die Stimmlappen befestigt und
verlängert.
Zeichnung:
Veränderungen an den Labien:
1. Ursprüngliche
Form
2. Veränderung
Gedactflöte 4´
Deckel sind mit Leder gedichtet worden.
Alle Mündungen der offenen haben wir neu angelängt.
Octav 2´
Wie Octave 4´.
Mixtur 4 fach
Alle Pfeifen, die auf Ton abgeschnitten
waren haben neue Mündungen bekommen, das betraf auch die gesamte konische Terz.
Die Pfeifen der letzten Reihe sind stark zerstochen. Sonst wie Octave 4´.
Die Aufstellung der Mixtur entspricht der
Aufstellung der Furtwangler - Orgel in Lauenau:
auf C vier Chöre: g c1 e1 c2
auf
c° vier Chöre: g1 c2 e2 g2
auf c1
vier Chöre: c2 g2 c3 e3
oder:
C 2
2/3´ 2´ 1 3/5´ 1´
c° 2
2/3´ 2´ 1 3/5´ 1 1/3
c1 4´ 2 2/3´ 2´ 1
3/5´
Trompete 8´
Fast alle Zungen konnten original erhalten
werden, trotz starker Knicke und Beulen mitten auf der Zungenspitze (Spuren von
Krücken, die schräg auf die Zungen geschnappt sein müssen). In den
Bechermündungen waren einige Schnitte und Löcher gemacht, die wir repariert
haben. Die Kehlen waren teilweise stark verbogen. Solche Kehlen haben wir vor
dem Feilen gerichtet. Die Köpfe sind meistens zu kalt gegossen worden. Das
heißt: es befanden sich Hohlräume in den Köpfen, die wir mühsam schließen
mußten. Die Belederung einiger Kehlen im Baß war durchgeschlagen. Solche haben
wir durch neues feines Leder ersetzt.
II.
Manual:
Geigenprincipal 8´
Die Holzpfeifen gingen teilweise gar nicht
mehr, weil die aufgesetzten Bleche am Labium (zur Erniedrigung des
Aufschnittes) sich aufgewölbt hatten. Die Metallpfeifen wiesen Veränderungen
auf, wie bei dem Octav 4’- Register im I. Manual.
Salicional
8´
Die Pfeifen sind offensichtlich gegenüber
dem übrigen Werk kürzer. Dieses kann man deutlich an den nicht abgeschnittenen
Lötungen an den Mündungen sehen. Deshalb haben wir dieses Register auf
Schwebung gestimmt. Die größten Metallpfeifen haben wir an ein Raster gebunden.
Flauto traverse 8´
Diese Flöte war stark desolat. Viele
Pfeifen waren umgeknickt. Dieses Register erforderte viel Sorgfalt, da die
Mensur um 19 Halbtöne enger als NM ist. Auch hier haben wir die großen Pfeifen
an ein Raster gebunden.
Lieblich Gedact 8´
Die Holzpfeifen haben wir abgedichtet, „e3“
ist neu gemacht. Bei den Metallpfeifen und Deckeln waren Lötnähte aufgegangen.
Gemshorn 4´
Dieses Register hat Streichermensur ( 9 Halbtöne
enger als NM). Reparatur - und Intonationsarbeiten sind hier vergleichbar mit
Arbeiten an der Gambe im I. Manual.
Waldflöte 2´
Alle Deckel mußten abgedichtet werden. Die
Mündungen der offenen Diskantpfeifen waren zerstört. Eine Pfeife ist neu.
Clarinette 8´
Stiefel und Becher mußten neu befestigt und
sortiert werden. Die Becher der ersten zwei Octaven haben wir an ein neues
Raster gehängt. Drei der größten Becher waren nicht mehr vorhanden. Diese haben
wir neu gemacht. Die Becher der großen Octave waren in die Köpfe gesunken. Die
Becherspitzen ab g sind durch angelötete
Bleche und vier Schrauben am Holzkopf befestigt. Um ein erneutes Einsinken der
großen Becher in den Kopf zu verhindern, haben wir diese Technik übernommen,
nur das Blech nicht verschraubt, damit man den Kopf leichter herausnehmen kann.
Der Übergang zwischen Becher und Kopf wurde mit einem Lederring gedichtet. Die
Zungen, Kehlen, Stimmvorrichtungen und Zungenträger wurden gereinigt und neu
eingerichtet.
Pedal:
Principal 8´
Die Fußspitzen dieser Pfeifen waren
aufgrund ihrer dünnen Wandungen und ihres großen Körpergewichts auf den Stock
und in die Bohrungen gesunken. Deshalb waren die größten Pfeifen sehr leise und
mußten im Laufe der Zeit immer höher gestimmt werden. Wir haben diese Pfeifen
gerichtet und gerade auf Holzklötzen aufgestellt. Die Fußspitzen haben wir
nicht eingezogen. Diese Pfeifen sind kräftig intoniert. Am Spieltisch hat man
jedoch den Eindruck, es wären Holzpfeifen mit normaler Lautstärke. Die
Unterlabien der größten Pfeifen waren auffälligerweise aufgedoppelt.
Subbaß 16´
Die Stimmvorrichtungen haben wir gängig
gemacht und die Risse einiger Pfeifen abgedichtet.
Auch bei diesem Register sind die Pfeifen
am Kern gezinkt, was für Furtwängler typisch ist.
Violon 16´
Die Stimmvorrichtungen waren teilweise
entfernt und die Pfeifen durch Löcher in der Rückwand höher gestimmt. Dieses
haben wir rückgängig gemacht.
Bordun 8´
Die Deckel haben wir mit Leder gedichtet,
die Lötnahte repariert und alle Holzpfeifen abgedichtet. C bis Gis sind aus
Holz. Auf der folgenden Metallpfeife „A“ findet man die Aufschrift: „Soltau“.
Was dieser Umstand bedeutet kann man nur vermuten. Ein Jahr nach Erbauung der
Markoldendorfer Orgel wurde 1870 in Soltau eine Furtwängler-Orgel eingeweiht.
Octav 4´
Dieses Register hat die gleiche Mensur und
Zustand wie der 4´ im I. Manual. Nur sind diese Pfeifen lauter intoniert, da
das Pedal akustisch ungünstig steht. Hier haben wir die Labien gerichtet und
die Mündungen repariert.
Posaune 16´
Alle Becher sind gereinigt und teilweise
neu befestigt worden, die Köpfe und Kehlen gereinigt und gängig gemacht. Das
gesamte Pedalwerk ist aufgrund seiner Position unter dem Turmgewölbe bei den
tiefsten Tönen (C bis Fis) zu leise. Dieses betrifft die Posaune besonders, da
bei ihr der Schall nur an der Bechermündung austritt und unter dem Turmgewölbe
absorbiert wird. Die folgende Versuchsreihe zeigt das Problem:
Zeichnung:
Akustische Lage des Pedals:
10. Versuchsreihe
mit dem Ton „C“ der Posaune 16´:
„C“ ist zu leise. Alle folgenden Töne
werden allmählich lauter. Erst der Ton „G“ ist akzeptabel.
Versuch: „V“ Ergebnis:
„E“
V1: Die
Zunge von „C“ wird weiter aufgeworfen, der Aufwurf am Zungenende zurückgenommen.
E1: Der
Ton kommt zu spät bei keinerlei Lautstarkeveränderung.
V2: Aufbringen
der halben Becherlänge (Becher von „c“).
E2: Der
Ton wird etwas lauter, heller, dünner. Im Kirchenraum keine Lautstärkeverbesserung, sondern eher
Fundamentverlust.
V3: Den
ganzen Ton „C“ der Trompete 8’ aus dem I. Manual stellen wir auf das Stockloch von Posaune „C“ im Pedal.
E3: Der
ehemals laute Ton aus dem Manual klingt jetzt deutlich leiser und hat keinerlei rasselnde Geräusche. Er klingt
sehr rund und stumpf.
V4: Wir
stimmen den Ton „C“ einen Halbton tiefer, auf Kontra HH. (künstliche Becherverkürzung).
E4: Der
Ton wird etwas lauter, er behalt sein Fundament, wird aber heller.
V5: Der
Kehlenausschnitt von „D“ wird um 2,5 mm aufgefeilt und eine breitere Zunge eingebaut.
(Aufschnittbreite jetzt 18,5 mm, Zungenbreite jetzt 22 mm).
E5: Der
Ton wird wenig lauter, aber heller, insgesamt nicht der Rede Wert.
V6: Die
Lederauflage wird harter gemacht.
E6: Der
Ton klirrt.
V7: Die
Stockbohrung wird von 25 mm auf 30mm vergrößert.
E7: Der
Ton wird unruhig. Flattert besonders bei der Ansprache. Sonst keine Veränderung.
V8: Es
wird eine dünnere Zunge eingebaut (von 1,3 mm auf 1 mm)
E8: Der
Ton wird heller, lauter und klirriger.
11. Stimmung der Orgel:
Die Tonhöhe der Orgel war vor Beginn der
Arbeiten 440 Hz bei 8° C. Bestrebungen, die Orgel auf 440Hz bei 18° C zu
bringen konnten wir nicht folge leisten. Nach mehreren Besprechungen besann man
sich die Orgel auf 440 Hz bei 15 ° C zu bringen. Im Laufe der Arbeiten stellte
sich heraus, daß diese Tonhöhe wohl dem Original nachkommt.
Wie schon oben in Punkt 3. erläutert,
konnte kein besonderes Stimmungsprinzip ermittelt werden. Aus den Erfahrungen,
die Martin Haspelmath an anderen Furtwänglerorgeln machte, nahmen wir folgende
Stimmung an:
Centabweichungen von Gleichschwebend
temperiert gemessen:
c c# d d# e f f# g g# a b h
0 -5 -2 -1 -4 1 -7 -1 -3 -4 1 -4
Das Stimmungsdiagramm im Anhang
veranschaulicht diese Stimmung.
12. Mensurangaben:
Detailzeichnungen und Mensuren können
Sie persönlich bei Orgelbaumeister Harm Kirschner erfragen
13. Stimmungsdiagramme:
3.1: Octave 4’:
13. Stimmungsdiagramme:
3.2: Principal 8’:
13. Stimmungsdiagramme:
3.3: Gemshorn
4’: